HBOT und Long COVID: Was ein Patientenregister von 2025 beiträgt - und was nicht
Ein prospektives Register mit 232 Long-COVID-Patienten berichtet Zugewinne an Lebensqualität nach 40 HBOT-Sitzungen. Warum Register informieren, aber kontrollierte Studien nicht ersetzen können.
Die Studie
Forschende veröffentlichten 2025 in Scientific Reports ein prospektives Register, um Patientenmerkmale und Verläufe bei Menschen mit Long COVID zu dokumentieren, die sich für eine hyperbare Sauerstofftherapie entschieden hatten. Das Register umfasste 232 Patienten und erhob patientenberichtete Endpunkte zu Beginn, unmittelbar nach der Behandlung sowie nach drei Monaten und nach einem Jahr. Der Behandlungszyklus bestand aus 40 täglichen HBOT-Sitzungen.
Register wie dieses sollen die Anwendung unter Alltagsbedingungen beschreiben. Sie schließen die Patienten ein, die tatsächlich zur Behandlung erscheinen, statt einer eng ausgewählten und randomisierten Studienpopulation - das ist zugleich ihre Stärke und ihre zentrale Begrenzung. Die Patienten wurden hier über etwa ein Jahr aufgenommen und waren insofern selbstselektiert, als sie sich bereits vor Aufnahme in das Register für die hyperbare Sauerstofftherapie entschieden hatten.
Was gemessen wurde - und was sich zeigte
Primärer Endpunkt war die Lebensqualität, gemessen mit den mentalen und körperlichen Summenskalen des SF-36-Fragebogens. Als klinisch relevantes Ansprechen definierten die Autoren eine Veränderung um mindestens zehn Punkte drei Monate nach der Behandlung. Nach diesem Maßstab zeigten etwa 65 Prozent der Teilnehmenden zum Dreimonatszeitpunkt eine klinisch relevante Zunahme der Lebensqualität.
Da das Register auch Fatigue und kognitive Symptome verfolgte, zeichnet es ein vollständigeres Bild des Patientenerlebens als ein einzelner Wert. Es berichtet aber, was mit einer Gruppe von Menschen geschah, die sich für die Behandlung entschieden hatten; ein Vergleich mit einer unbehandelten oder scheinbehandelten Kontrollgruppe über denselben Zeitraum fehlt. Die mentale und die körperliche Summenskala sind getrennte Subskalen, eine Person kann sich also auf der einen verbessern und auf der anderen unverändert bleiben - eine Feinheit, die man im Kopf behalten sollte, wenn eine einzelne Zahl zur 'Lebensqualität' zitiert wird.
Warum das Design die Aussagekraft begrenzt
Ein Register ist eine Beobachtungsstudie. Es gibt weder Randomisierung noch Verblindung, sodass sich eine Verbesserung über die Zeit nicht sauber von natürlicher Erholung, Placeboeffekten, Regression zur Mitte oder der Motivation von Menschen trennen lässt, die bereit sind, 40 Sitzungen zu absolvieren. Die Autoren ordnen ihre Daten als hypothesengenerierend und nicht als bestätigend ein - und diese Einordnung ist die ehrliche.
Frühere randomisierte, scheinkontrollierte Studien beim Post-COVID-Syndrom haben Verbesserungen bei Fatigue, Kognition und Lebensqualität berichtet - deshalb ist die Frage weiterhin offen und nicht entschieden. Registerdaten und Studiendaten beantworten unterschiedliche Fragen: Studien prüfen, ob HBOT einen Nutzen verursacht, während Register beschreiben, was in der Routineanwendung geschieht.
Sicherheit und praktische Hinweise
Das Register erfasste auch unerwünschte Ereignisse. Am häufigsten war ein Barotrauma des Mittelohrs, berichtet bei 11 Patienten, und eine kleine Zahl von Patienten brach die Behandlung vorzeitig ab, weil sich Fatigue oder andere Symptome im Verlauf verschlechterten. Das sind die Verträglichkeitsdetails, auf die es ankommt, wenn man ein Protokoll mit 40 Terminen abwägt - und eine Erinnerung daran, dass eine Behandlung für manche Menschen lohnend und für andere schlecht verträglich sein kann. Die in klinischen HBOT-Studien verwendeten Drücke werden in geschlossenen, druckfesten Hartschalenkammern erreicht; einen Überblick über die beteiligten Gerätekategorien bietet unsere Übersicht der Kammertypen unter HBOT-Kammern.
Long COVID ist ein Forschungsfeld in Bewegung, und ein einzelnes Register ändert die Standardversorgung nicht. Wer eine HBOT bei anhaltenden Post-COVID-Beschwerden erwägt, sollte die aktuelle Studienlage und die eigene Krankengeschichte vor Behandlungsbeginn mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt besprechen.